Unsere Marokkoreise

Alhambra, Löwenhof


(Sehr stark gekürzte Fassung einer Quartalsarbeit. Red.)
Die Freude war gross als die Finanzierung der Reise endlich abgesichert war. Man konnte beginnen sich einige gut geeignete Klamotten für Marokko zu kaufen. Auch das ganze Campingzeug mussten wir noch besorgen und zusammenstellen. Wir sollten uns, laut Gregor, auf eine harte Zeit mit vielen Entbehrungen und Strapazen einstellen.

   Etwa eine Woche vor der Abreise fingen wir an, das Campingzeug zu besorgen: Zelte, Kochgeschirr und Vorräte. Jeder musste seinen Schlafsack, Isomatte und Essbesteck vorzeigen, damit Henner es prüfen konnte. Auf den neuen Bus kam ein Dachgepäckträger und die Sitze im alten Bus wurden mit Tüchern und Decken bezogen.

   Die Nähmaschine in der Waschküche arbeitete pausenlos, da viele Mädchen sich noch luftige Kleider, Röcke und Hosen nähen wollten.

   In der Woche vor der Abreise bekommen wir Schüler kaum etwas von Gregor zu sehen, welcher nur noch am arbeiten ist, da er die drei Wochen, die wir weg sind, vorarbeiten muss. Am Ende der Woche hat er insgesamt nur 20 Stunden Schlaf gehabt, da er auch nachts durcharbeiten musste. Auch Henner war total im Stress. Wir Schüler kamen uns da manchmal echt überflüssig vor.
   

Zeltplatz in Grenada


Am 15.05.2000 in aller Frühe fuhren wir los. Zwar sah Gregor total müde und fertig aus und es war eigentlich unverantwortlich ihn in diesem Zustand noch so lange fahren zu lassen. Doch das Abenteuer begann…

   Die ersten paar Tage verbrachten wir in Andalusien und kamen bereits in Kontakt mit der maurischen Kultur.


Einreise und erste Tage in Marokko
   Wir stehen am marokkanischen Zoll und warten auf Gregor, der gerade dabei ist, den ganzen Papierkram bei den Zollbehörden zu erledigen. Die Einreise nur mit ID-Karten wurde uns verweigert Aber alle hoffen, dass Gregor es noch anders geregelt bekommt. Wir sollen uns anständig in den Bussen benehmen, da es sein könnte, dass man uns beobachtet, und von dem Eindruck, den die Zollbeamten bekommen, unsere Einreise abhängen könnte. Gregor kommt manchmal, wenn er von einem Schalter zum anderen läuft, an unserem Bus vorbei. Er sieht schon ziemlich müde aus. Wir beobachten die Menschen an der Grenze, besonders die Marokkaner interessieren uns. An der Grenze ist echt viel los, viele Menschen warten in langen Schlangen vor dem Zoll.

   Nach etwa fünf Stunden kommt Gregor mit der frohen Nachricht, dass wir nun einreisen können. Er musste aber seinen Pass beim Zoll hinterlegen.

   Wir passieren die Grenze und fahren Richtung Tetouan.
Gregor und Henner haben anfangs Schwierigkeiten mit dem Fahrstil der Marokkaner. Ueberall auf der Strasse sind Esel, Fahrräder, Autos und Menschen. Kaum einer hält sich an Verkehrsregeln. Nach einiger Zeit gewöhnen sich unsere beiden tapferen Fahrer daran und fahren genauso laut hupend und zielstrebig durch das Chaos der Strassen.

   Nach einem leckerem Essen in einem Restaurant laufen wir durch den Souk von Tetouan. Der Souk besteht aus vielen kleinen Strassen, in denen man sich als Fremder restlos verirren kann. Die Strassen sind voller Läden, Einkaufsständen und Menschen, hauptsächlich Männer, alte verschleierte Frauen und Kinder. Alle Läden sind dicht beieinander. Man findet alles und immer in einer grossen Vielfalt. Es ist würzig in den Souks, kühl und farbig. Man weiss nie, was die Gegenstände kosten werden. Man muss um den richtigen Preis handeln, dabei aber freundlich und bestimmt bleiben. Manchmal kann sich die ganze Prozedur einen ganzen Tag hinziehen, daran haben die Marokkaner eine wahre Freude, denn sie haben Zeit, viel, viel Zeit.

   In einem Laden bekommen alle Schüler einen Kaftan oder einen Tschilabah. Der Handel wurde mit einem würzigen Pfefferminztee abgeschlossen.

Die Kleiderwahl steht noch nicht fest


Gregor kann kaum noch laufen, da ihm seine Bandscheiben Probleme machen. Er watschelt wie eine Ente durch den Souk. Doch Mohammed führt uns in eine marokkanische Apotheke, für unsere Begriffe eher ein Gewürzladen. Gegen Abend fällt mir auf, dass die Strassen und Gassen noch voller und belebter geworden sind. Es ist so, als ob die Stadt aus einem Mittagsschlaf erwacht währe, den sie über die Mittagszeit gehalten hat. Wir sind alle so fertig, dass wir durch das Durcheinander von Mopeds, Eselskarren und Autos zurück zum Zeltplatz fuhren. Sehr bald herrscht Nachtruhe.

   Nach dem Frühstück meint Gregor, dass wir immer mehr ins "Richtige" Marokko kommen. In ein Land, das nicht mehr unter europäischem Einfluss steht. So ist es auch. Ganz plötzlich verändert sich die Landschaft. Es gibt keine grünen Pflanzen mehr, nur noch zwei gelb und orange blühende Kakteensorten, die als Begrenzung von Feldern angelegt sind. Durch diese Kakteenreihen kommt keiner mehr durch. Der Baustil der Häuser verändert sich, indem die Häuser flach und eckig und von einer schützenden Mauer umgeben sind. Die Häuser sind aus der rötlich-braunen Erde gebaut, und so verschmelzen sie in der Steinwüste mit der Erde. Man kann sie so sehr leicht übersehen.

Eselparkplatz

Nachtessen in Marrakech


In Marrakech, die Strassen sind noch schlimmer und unübersichtlicher als die in Tetouan, brauchen wir lange, bis wir einen Parkplatz finden können. Wir parken neben ein paar Eselskarren. Diese armen, kleinen Eselchen müssen sehr hart arbeiten und werden dabei meistens noch sehr schlecht behandelt. Nachdem wir einige dieser Esel gestreichelt haben, können wir in den Souk von Marrakech gehen. Zuerst laufen wir durch den Teil der Souks, wo die Schmuck- und Blecharbeiter ihre Läden haben. Vor den vollgestopften Läden sitzen viele kleine Buben, die irgendwelche Blechteile bearbeiten, die später zu einem Lampenständer, Bilderrahmen oder Kerzenhalter zusammengesetzt werden. Die Buben gucken interessiert zu uns. Ueberhaupt schauen uns sehr viele Männer hinterher. Da die meisten mehr oder weniger Deutsch sprechen können, ist es leicht mit ihnen in ein Gespräch zu kommen. Aber oft wenn wir angesprochen werden, laufen wir einfach weiter.

   Inzwischen ist es dunkel geworden, und wir beschliessen, auf einem Marktplatz etwas zu essen. Wir setzen uns um eine marokkanische Imbissbude. Diese gibt es in Massen auf diesem Platz, und bei jeder ist ziemlich viel Betrieb. Das Essen schmeckt sehr gut, aber wir bekommen so viel verschiedenes aufgetischt, dass mehr als die Hälfte übrig bleibt. Am Ende der Mahlzeit kommt eine alte, verschleierte Frau, und bittet uns, ob sie die Reste essen darf. Am Schluss steckt sie sich noch die Oliven, Auberginescheiben und Fleischstückchen in die Taschen.

Dorf im hohen Atlas

Schöne Kasbah


Ueber den hohen Atlas in die Wüste

   Heute wollen wir über den Hohen Atlas nach Ouarzazate fahren. Die Strasse wird immer kurviger, je höher wir in die Berge kommen. Neben der Strasse verläuft ein Fluss; am Ufer des Flusses wachsen viele grüne Pflanzen. Da, wo eine Siedlung ist, sind auch kleine, sehr gepflegte und schöne Aecker angelegt. Die Siedlungen sind aus rötlichem Stampflehm gebaut, so kann man die Häuser kaum von den im Hintergrund stehenden Bergen unterscheiden. Die Felder und Aecker der Menschen sind terrassenartig angelegt und immer mit einer Mauer begrenzt. Es ist ein sehr schönes Bild.
   Wenn wir an einem kleinen Dorf vorbei kommen, laufen uns viele kleine Kinder entgegen und bitten uns um ein Bonbon. Wenn sie dann eins bekommen haben fragen sie gleich nach einem "Stilo" (= Stift). Diese Kinder leben unter den primitivsten Bedingungen. Oft sind sie schmutzig und haben zerrissene Sachen an. Aber sie sehen total glücklich und goldig aus mit ihren verfilzten Haaren, den grossen bittenden Augen und dem scheuen Lächeln. So süsse Kinder hab’ ich noch nie gesehen. Während der Fahrt sehen wir viele Frauen und Mädchen, die die Wäsche noch ganz altmodisch im Fluss und von Hand waschen. Die Männer und Buben ziehen mit ihren Schaf- und Ziegenherden durch die Berge.

Berberkinder im hohen Atlas

   Endlich sind wir oben und nun geht es die ganze Strecke wieder bergab. Auf einmal fährt Gregor von der Hauptstrasse ab auf einen holperigen Wüstenweg in die Steinwüste ‘rein. Im alten Bus holpert und wackelt es ziemlich stark und wenn wir mal wieder aufsetzen, denkt man manchmal der Bus fällt auseinander. Viele steigen aus dem Auto aus und rennen nebenher. Gregor ist schon ziemlich weit vorne. Er macht eine Pause damit wir ihn einholen und wieder ins Auto steigen können.

Steinwüste mit Holperpisten


   Irgendwie scheint es nicht der richtige Weg gewesen zu sein, denn er sollte eigentlich zu einer Kasbah führen. Statt dessen treffen wir wieder auf die Hauptstrasse. Haben halt eine kleine Abkürzung durch die Wüste genommen. Dann kommen wir wieder zu der Kasbah. Das sind befestigte Wohnsiedlungen. Es wird immer später und dunkler, und schliesslich beschliesst Gregor, dass wir in der Wüste übernachten. Wir fahren an einer geeigneten Stelle von der Strasse ab. Die Zelte aufzubauen ist sehr schwierig, da es total windig und der Boden steinhart ist. Dahinein bekommt man nicht so leicht einen Hering. Das Nachtessen braucht diesmal ziemlich lange und schliesslich sind die Nudeln doch noch hart. Der Sternenhimmel über uns ist total klar und schön. Es ist als ob die Sterne einen zum greifen nah währen. Als der Mond dann noch aufgeht, wird es ganz hell, fast wie bei Tag. Aber trotzdem gehen wir in unsere Zelte, da der Wind unsere Zelte fast weg weht, und es ziemlich kalt geworden ist…

Camping in der Wüste


   Am Morgen ist der Wind noch genauso stark. Dabei zu frühstücken und die Zelte abzubauen ist gar nicht so einfach. Unsere Plastikteller fliegen sehr oft weg und die Zeltplanen wurden diesmal halt nicht so ordentlich zusammengelegt. Endlich sind wir fertig und können losfahren.

   In Skoura werden wir von einem jungen Berber namens Nordin angesprochen. Er möchte uns zwei Kasbahs zeigen.

   Nordin hat uns auch zum Cous-Cous-Essen bei seiner Familie eingeladen. Als wir zu dem Haus von der Berberfamilie kommen, sind wir schon beeindruckt von dem grossen Garten und dem schönen Haus. Wir setzen uns in einen hellen, gemütlichen Raum mit Bänken entlang der Wand und zwei niedrigen Esstischen. Den Pfefferminztee, den wir vor den Cous-Cous bekommen, ist sehr fein. Endlich kommt der Cous-Cous, er ist in zwei grossen Schalen angerichtet, und oben auf ist Gemüse. Nordin und Margil zeigen uns, wie man Cous-Cous nach marokkanischer Art ist. Man zerquetscht etwas Cous-Cous mit dem Gemüse und formt diesen Brei dann zu einem Bällchen in der rechten Hand. Dieses Bällchen steckt man dann in den Mund. So wird ziemlich viel gekleckert… Vor und nach dem Essen wird eine Schüssel mit Wasser zum Hände waschen herumgereicht.

Nordin, der Berberjunge


   Da wir beschlossen haben mit dem Führer Margil, ein Cousin von Nordin, in die Wüste zu fahren, nehmen wir ihn jetzt im Auto mit. Wir fahren zu einem Fluss, wo wir übernachten wollen. Am Ufer des Flusses zwischen Felsblöcken breiten wir unsere Schlafsäcke auf den Steinen aus. Diesmal verzichten wir auf die Zelte. Es ist schon total kalt und finster geworden. Wir verkriechen uns ziemlich bald in die Schlafsäcke. Obwohl ich drei Pullover an habe friere ich. Ueber mir sehe ich den sternklaren Nachthimmel. Ich beobachte die Sterne, da ich lange nicht einschlafen kann. Dabei sehe ich viele Sternschnuppen. Diese Nacht ist total ruhig. Man hört keinen Auto- oder Stadtlärm sondern man ist völlig in der Natur und hört nur das Wasserrauschen…

   Ich wache ziemlich früh auf. Es ist so kalt, dass ich beschliesse nur eine Katzenwäsche am Fluss zu nehmen.

   Wir fahren sehr bald los. Das Auto ist schnell gepackt. Die Strasse wird immer schlechter. Bei dieser Schaukelei wird sehr vielen schlecht. Henner verteilt fleissig "Kotzpillen". Die Berge durch die wir fahren haben alle Farben. Ich hätte nicht gedacht, dass es solche Steine gibt. Auch wechselt die Steinwüste in Sandwüste um. Manchmal sehen wir die Spitzen von Sanddünen in der Ferne. Es wachsen keine Bäume mehr, nur noch Wüstensträucher und verdorrtes Gras. Wir fahren Richtung Erfoud. Dabei kommen wir durch ein Gebiet, in dem es wohl ziemlich geregnet haben muss, denn teilweise sind die Strassen einfach überflutet. Neben den Strassen sehen wir viele zerstörte Lehmhäuser. Diese haben den Fluten wohl nicht ganz standgehalten. In den Flüssen, die die Strassen überfluten, waschen die Menschen ihre gesamte Wäsche. Die Kinder haben eine wahre Freude an dem vielen Wasser welches es selten in einem solchen Uebermass gibt. Nach Erfoud hört die inzwischen sehr schlecht gewordene Teerstrasse plötzlich auf. Jetzt ist es nur noch ein kaum erkennbarer Weg, der durch weisse Steine am Rande markiert ist. Wir fahren der Einsamkeit entgegen. Nach etwa einer Stunde, in der wir durch die gleiche eintönige Landschaft fahren, kommen wir in Merzouga an. Von dort soll unser Kamelritt starten. Wir packen schnell unsere Sachen, welche wir für die Uebernachtung in der Wüste brauchen.


Die Dromedare sind bereit


Instruktionen für den Ritt durch die Wüste


Leoni und Elsa sind bereit


Sand. Sand, nichts als Sand


Unser Lagerplatz in der Wüste Sahara


   Nachdem sich alle ihren Kaftan und Turban angezogen haben, kann es losgehen. Als wir zu den aneinander gebundenen , daliegenden Dromedaren kommen, bekommen manche schon weiche Knie. Wir setzen uns immer zu zweit auf ein Dromedar. Sobald man drauf sitzt, stellt sich das Tier erst hinten auf die Knie, dann geht es vorne hoch. Zum Schluss stellt es sich dann richtig auf die Hinterbeine. Das ist ein ziemliches Hin- und Her- Geschaukel, wobei man aufpassen muss, dass man nicht ‘runterfällt. Als alle heil oben auf ihren Tieren im Sattel sitzen führt uns Hassan hinaus in die Wüste. Wir sehen über den Dünen gerade noch die Sonne untergehen. Hier in der Wüste herrscht eine unglaubliche Ruhe und Stille. Das kann man sich gar nicht vorstellen. Wir sehen nur noch Sand, Sand und nochmals Sand. Auf dem Dromedar schaukelt es sehr. Es ist eine ganz andere Bewegung als die, die das Pferd macht. Endlich kommen wir bei Hassans Zelten an, die mitten in der Wüste stehen. Das Absteigen ist ziemlich lustig, da das Dromedar erst vorne heruntergeht und man fast über den Kopf des Tieres fliegt. Nachdem Hassan die Tiere versorgt hat, macht er sich daran das Essen zu bereiten. Wir richten uns in dem Schlafzelt ein. Um uns die Zeit bis zum Essen zu vertreiben, probieren wir es mal aus, auf den Berbertrommeln zusammen zu Trommeln. Klingt noch sehr Anfängerhaft, was wir da zustande bringen. Das Essen nehmen wir im Schlafzelt in einem Kreis um die Gemüseschüssel im Sitzen ein. Wieder können wir mit der Hand essen. Das Essen ist echt lecker. Der Ritt auf dem Dromedar war echt anstrengend. Ich bin so müde, dass ich mich bald schlafen lege. Ich schlafe bei Trommelmusik ein…

   Morgens werden wir um 4:30 Uhr geweckt. Es ist Zeit loszugehen, um die Sonne über den Dünen aufgehen zu sehen. Wir laufen die Sanddünen hoch, damit wir einen schönen Ausblick haben.

Sonnenaufgang in der Wüste


   Das ist ziemlich mühsam, da man immer zurückrutscht und tief in den Sand einsinkt. Die Sonne geht wie ein blutroter Ball auf, sie steigt dann sehr schnell höher. Die Sanddünen werfen schöne Schatten. Wir laufen zurück zum Berberzelt, wo unterdessen Hassan die Dromedare wieder startbereit gemacht hat. Wir reiten zurück zu unseren Bussen, wo wir zum Frühstück eingeladen werden. Es gibt Brot mit Kamelbutter und Aprikosenmarmelade. Dazu Kaffee mit Milch oder Pfefferminztee. Dann geht es weiter über Wellblechpisten, durch wildeste Steinwüste.

Gregor als Ali Baba


   Wir kommen wieder in Berggebiete. Die Sandwüste wechselt langsam wieder in Steinwüste, und je näher wir dem Mittleren Atlas kommen, desto bergiger wird es wieder. Wir sehen viele Oasen, die mit vielen grünen Pflanzen üppig bewachsen sind. Die Frauen tragen in den Dörfern und Städten schwarze Schleier und Tücher. Ueberhaupt sind sie hier viel mehr verschleiert, als die, die wir bis jetzt gesehen haben. Entlang der Strasse finden Ausbesserungsarbeiten statt. Die Männer arbeiten noch mit den einfachsten Werkzeugen: Mit Pickel, Hacke und Schaufel. Am frühen Nachmittag sind wir in Midelt, wo nicht ein besonders schöner Campingplatz auf uns wartete. Da in der Wüste alles ganz staubig und sandig geworden ist, müssen wir unbedingt die beiden Busse mal ganz ordentlich putzen und neu wieder einräumen. Da dauert ziemlich lange, da dieser Sand überall, in jeder Ritze und Ecke ist. Den Rest des Tages können wir faulenzen, Wäsche waschen, Tagebuch schreiben oder Spiele spielen. Zum Nachtessen gibt es eine leckere Tomatensuppe mit geröstetem Brot. Bald herrscht Nachtruhe, da alle ziemlich müde sind und die Wüstentour sehr anstrengend gewesen ist. Diese Hitze lässt echt alle Lebensgeister einschlummern.

   Eigentlich hatten wir vor, am nächsten Tag weiter bis nach Fès zu fahren, aber daraus wird jetzt leider nichts, denn in der Nacht haben Gregor, Henner, Eva, Alois, Achim und Leoni eine Magendarmverstimmung bekommen. Sie mussten Brechen, haben Bauchkrämpfe und Durchfall. In diesem Zustand können Gregor und Henner auf keinen Fall weiterfahren. Da alle sehr wackelig auf den Beinen sind, legen sich die Kranken in den Schatten von Bäumen und schlafen. Die anderen, die noch gesund sind umsorgen die Kranken, schreiben Tagebuch, gehen in Midelt einkaufen und spielen Spiele. Ueber die Mittagszeit wird es unerträglich heiss, so dass viele unglaublich gereizt sind und wir uns anfangen nur noch anzublöffen. Mit der Zeit ist es echt langweilig auf dem Campingplatz, doch wir beschäftigen uns irgendwie. Henner und Gregor sehen aus wie lebende Tote, hoffentlich können wir morgen weiterfahren…

   Am Morgen geht es Gregor und Henner einigermassen besser, so dass wir weiterfahren können. Unterwegs im Mittleren Atlas’ sehen wir Nomadenzelte. Das muss ein ganz schön hartes, entbehrungsreiches und mühsames Leben sein hier oben, ganz abgeschieden von der Zivilisation. Die Mütter bitten uns um alte Kleider und die kleinen Kinder freuen sich sehr über ein Bonbon. Die Kinder ziehen mit Ziegen- und Schafherden durch die Berge. Bald ändert sich die Landschaft. Wir kommen in das Gebiet, wo viele Zedernwälder wachsen. Kurz nach Azrou fahren wir von der Strasse ab und biegen zur ältesten und grössten Zeder Marokkos ab. Dort sind viele Affen

Es gibt viele Affen

Unkonventioneller Autostop


   Nun fahren wir weiter über Ifrane nach Fès. Wir sind so um 15:00 Uhr auf dem Campingplatz Diamant Vert, der nur 6,5 km vom Zentrum von Fès entfernt liegt. Wir haben den Rest des Tages frei, um uns auszuruhen und zu duschen. Endlich mal wieder eine warme Dusche. Diesen Luxus konnten wir schon seit vier Tagen nicht mehr geniessen. Gregor fährt mit der Kochgruppe einkaufen und nach einem Nachtessen, das aus Gemüse Eintopf mit Nudeln besteht, sinken alle auf die harte Isomatte und schlafen bald ein. Man merkt doch, dass die Kräfte langsam nachlassen. Man ist nicht mehr so fit, wie am Anfang der Reise.

   Ich werde von irgendwelchen Vögeln, die über unserem Zelt in den Bäumen sitzen, geweckt. Ich höre ihrer Morgenmusik noch etwas zu, stehe dann sauber auf, um das Frühstück zu machen. Nach dem Frühstück fahren wir nach Fès.

   Fès ist eine riesengrosse Stadt. Da sehen wir, als wir zu einer Burg fahren, von wo aus wir die Medina, die Altstadt sehen können. Dann besichtigen wir das Keramikviertel. Ich muss sagen, was diese Menschen leisten, ist echt enorm. Unter den einfachsten Bedingungen meisseln, formen und hämmern die Menschen die schönsten Keramikstücke, die dann zu Spottpreisen auf dem Markt verkauft werden. Auch sehen wir viele kleine Buben, die schon schwere Arbeit leisten. Dort herrschen echt andere Verhältnisse als bei uns.

Gerberviertel


   Dann geht’s ins Gerberviertel. Das kann man schon von Weitem am Geruch erkennen, über diesem Viertel hängt. Je näher wir kommen, um so intensiver wird der Geruch. Vielen wird davon schlecht. Wir begegnen vielen Touristengruppen, die sich Pfefferminzblätter gegen den Gestank in die Nasenlöcher stopfen. Das sieht ziemlich komisch aus. Die Gerber, die dort in grossen Tonkübeln stehen und Felle und Tücher färben, haben schon eine scheussliche und schwere Arbeit. Lange halten wir es dort nicht aus, besichtigen aber noch kurz einen Lederwarenladen.

   Wir gehen durch den Souk von Fès. Uns kommt es vor, als ob wir total weit laufen, aber auf der Karte vom Souk sehen wir, dass wir uns nur in einer Ecke des Souks fortbewegen. Wir kommen an einer Koranschule für Kinder vorbei. Mädchen und Jungen haben getrennt Unterricht. Die Kinder sprechen mit dem Lehrer im Chor irgendwelche Verse aus dem Koran. Das hört man in der ganzen Strasse. Die Strassen sind so voller Menschen und dazwischen immer wieder irgendwelche Tiere, dass man fast gar nicht vorwärts kommt. Noch schwieriger ist es, den Anschluss an die Gruppe nicht zu verlieren.

   In einer schön verzierten Moschee sitzen viele Menschen ganz ins Gebet vertieft.

Blick in eine Moschee


   Während wir so durch den Souk laufen, kommen immer wieder Händler angelaufen, die uns Teppiche, Trommeln und Schmuck aufschwatzen wollen. Sie lassen uns echt keine Ruhe und schlussendlich kaufen wir ihre Waren zu einem sehr billigen Preis.

   Nach dem Essen auf dem Campingplatz diskutieren wir darüber, ob wir noch einen weiteren Tag in Fès bleiben, oder ob wir morgen schon weiterfahren sollen, um nicht zu hetzen. Wir sind alle so müde, dass wir schliesslich beschliessen diese Frage morgen früh zu klären. Da wir heute ziemlich viel gelaufen sind, ist es kein Wunder, dass alle so müde und schlapp sind.

   Nach dem Frühstück beschliessen wir weiter zu fahren. So fahren wir über Meknes nach Moulay-Idriss, wo sich einige den Gemüsemarkt anschauen. Ich bleibe bei den Bussen, da Leoni ziemliche Bauchkrämpfe hat, die ich versuche durch eine Massage zu lindern.

   Gegen Mittag wird es unerträglich heiss. Alle hängen irgendwie im Auto. Wir machen Mittagspause am Strassenrand unter Bäumen, die etwas Schatten spenden. Dann geht’s weiter über Sidi-Kacem und Larche nach Asilah. Wir fahren auf den erst besten Campingplatz, der am Strand liegt. Wir gehen im Atlantik baden, bauen die Zelte auf und waschen nochmals Wäsche. Am Abend fahren wir in das Städtchen Asilah und gehen Essen. Wir wählen ein Restaurant an der Strandpromenade. Dort ist echt viel los. Viele von den Männern sind total zugekifft und bieten auch uns Haschisch an. Doch wir lehnen höflich aber bestimmt ab. Während dem Essen geht die Sonne überm Atlantik unter. Das sieht sehr schön und romantisch aus, ist aber fast schon kitschig. Uns wird immer mehr bewusst, dass wir heute unseren letzten Tag in Marokko verbringen werden.

   Wir stehen schon um 5:00 Uhr morgens auf. Fast alle konnten nicht schlafen, da es in den Zelten wie in einer Sauna gewesen ist. Der Sonnenbrand, eingefangen am Atlantikstrand, hat diese Hitze noch verstärkt. Man wusste nicht, wie man sich hinlegen sollte, ohne dass es weh tut. Wir räumen unsere Sachen zusammen, packen den Bus und nach einem kurzen Frühstück fahren wir los. In der Gruppe herrscht eine gedrückte Stimmung. Wir werden nur noch ein paar Stunden in Marokko sein…

Letzte Einkäufe

aber viele mögen nicht mehr


   Wir fahren der Küste entlang über Tanger nach Ceuta (Septa). An der Grenze angekommen, können wir die gleichen Ereignisse beobachten wie bei der Einreise. Marokkanische Einwohner, die keinen gültigen Pass haben, versuchen durch Gesten und Zureden die Zollbeamten dazu zu drängen, sie doch über die Grenze zu lassen. Machmal kommt es dabei auch zu Handgreiflichkeiten, die dann lautstark von der Menge begrölt werden. Die Glücklichen, die einen Pass haben, warten geduldig in einer langen Schlange darauf, dass ihre Papiere kontrolliert werden und sie Ausreisen können. Zum grössten Teil sind es Fussgänger, doch wir bahnen uns, laut hupend, mit dem Auto einen Weg durch die Menschenmenge. Diesmal haben wir Glück. Innerhalb einer halben Stunde sind wir durch die marokkanische Grenze gekommen. Jetzt kommt nur noch der spanisch Zoll. Aber die winken uns nur lässig durch. Die Befürchtungen, dass wir alles ausräumen müssen und nach Haschisch gefilzt werden, sind nicht eingetreten. Wir fahren direkt zum Hafen. Auf dem Weg durch die Stadt fällt mir der Unterschied der beiden hier aufeinander stossenden Kulturen auf. Nur ein paar hundert Meter voneinander entfernt leben die Menschen in den verschiedensten Kulturen nebeneinander. In der Stadt Ceuta laufen Frauen in Minirock umher, während vor der Grenze die Frauen Kaftan und Schleier tragen…

   Beim Hafen müssen wir noch gut eine Stunde warten, dann bringt uns die Fähre übers Mittelmeer Richtung Heimat … Es war so schön!

Elsa P.


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