Jugendliche in Not? - Krisenintervention oder Förderung von keimenden und wachsenden Zukunftskräften?
Wer kennt sie nicht, die vielen Nöte und Probleme, die während der Pubertät auftreten können:
Schulmüdigkeit und mangelndes Selbstwertgefühl, Lebenskrise oder Gruppendruck, heftige Streitereien zu Hause im Ablösungsprozess, Gefahr des Abgleitens in die Sucht, oder den aufkeimenden Wunsch, einfach abzuhauen und aus dem stets gleichen „Trott“ auszubrechen.
Sind dies nicht alles Gegebenheiten, die nach einer „Auszeit“ rufen?
Aber was heisst denn Auszeit, oder wie man heute sagt: „Time - out“? Bedeutet dies „Rumhängen“, Nichts tun, .... ?
Sind solche Krisen nicht oft wertvolle Phasen im Leben junger Menschen? Ist es nicht ihr Recht, bestehende Sozialstrukturen zu hinterfragen, zu rebellieren? Bekommen sie in der Schule auch wirklich Nahrung für ihre Seele oder bekommen sie nur „Steine statt Brot“? Suchen sie nicht oft neue Wege? Aber wer hilft ihnen diese zu finden?
Hinzu kommt, dass im Ablösungsprozess vom Elternhaus, eine fruchtbare Kommunikation kaum mehr möglich ist, Lehrer oder andere „Autoritäten“ werden angezweifelt, und eine allgewaltige Freizeitindustrie mit Verlockungen und Versuchungen aller Art verhindern eine Selbstfindung und Selbstverwirklichung. Befinden sich die Jugendlichen in ihrer Not nicht auf der Suche nach effizienter Hilfe?
Die Suche nach Hilfe
Solche Situationen entstehen sehr oft aus tief in der Seele schlummernden Fragen, wie: Was sind die wahren Werte des Lebens? Wo komme ich her und was ist mein Ziel? Wo geht man auf meine Anliegen und Bedürfnisse ein? Wo darf ich ausbrechen aus meinem „Alltagstrott“? Wo kann ich neue Erfahrungen sammeln, andere Kulturen kennenlernen, oder den Sinn meines Lebens finden? Wo kann ich als junger Mensch ein interessantes und abwechslungsreiches Schuljahr erleben mit einer gezielten Förderung und Stärkung meiner Persönlichkeit und meiner schulischen Fähigkeiten?
Die heutige Erziehung braucht in vielen Fällen ganz neue und absolut unkonventionelle pädagogische Massnahmen. Sehr oft gilt es, die jungen Menschen in erster Linie ohne jegliche Vorurteile anzunehmen aber ihnen dennoch offen und ehrlich zu begegnen, begleitet von einer stillen und „ehrfürchtigen“ Haltung vor der heranwachsenden Persönlichkeit, die unter Umständen eine bedeutende Aufgabe haben wird.
Im Centre de Formation wird bewusst versucht, eine Art „pädagogische Provinz“ zu schaffen, in der den Jugendlichen während der schwierigen Zeit der Pubertät ein völlig neues Erfahrungsfeld und viele interessante Impulse geboten werden, natürlich unter Berücksichtigung der Bedürfnisse und Anregungen der Jugendlichen selber. Die Erzieher haben dabei die Aufgabe, Begleiter, Freund und Anreger zu sein; Fragen anzustossen und den Blick für die Welt und für andere Kulturgegebenheiten zu öffnen. Nicht das Eintrichtern von Unmengen von Schulstoff steht im Vordergrund; trotzdem sollen alle diejenigen, die lernen wollen, auch ein gutes Mass an Schulbildung bekommen, damit ihnen wirklich alle Wege, für ihre weitere Zukunftsgestaltung, offen stehen. Der Unterricht ist von intensiven Bemühungen geprägt, verschiedene menschliche Seelentätigkeiten zu fördern, wie: genau beobachten, exakt arbeiten, Zusammenhänge erkennen, die Hauptsache von Unwesentlichem unterscheiden, Fragen wachrufen, logisches Kombinationsvermögen schulen, die Sinne zu sensibilisieren usw.
Was ist heute notwendig?
Vor einigen Jahren sagte ein bedeutender Bankdirektor einer Grossbank: „Ich hatte in der Bank noch nie mit jemandem Probleme gehabt, weil er nicht rechnen oder lesen konnte, sondern nur mit Leuten, die nicht mit andern Menschen umzugehen wussten!“ (Robert A. Jeker, Basel)
Was bedeutet dies?
Heute werden alle jene menschlichen Arbeiten, die informatisierbar sind, auch tatsächlich von Computern übernommen werden. Informatisierbar sind alle solche Arbeiten, die einen bekannten, logischen Ablauf folgen, die planbar und vorhersehbar sind. Nicht informatisierbar sind dagegen alle solche Qualitäten menschlicher Arbeit, in denen ganz andere Fähigkeiten gefordert werden, Ich-Leistungen, die nur der Mensch erbringen kann, wie:
ein gewisses Mass an sozialer Kompetenz aufbringen können
mit anderen Menschen gewissenhaft umgehen können
Entscheidungen in der Gruppe fällen können
Phantasie haben
improvisieren können
neue, ungewöhnliche Wege gehen können
sich in komplexe Probleme hineindenken können
aus Übersicht handeln können
in nicht planbaren Situationen bestehen können
usw.
All dies sind Tätigkeiten, die nicht einfach geschenkt, sondern die bewusst erarbeitet und erübt werden müssen. Deshalb wird es immer mehr zur Pflicht, den pädagogischen Alltag so zu gestalten, dass der Entwicklung der oben genannten Qualitäten eine Priorität eingeräumt wird. Es geht zunehmend darum, nicht „Fachidioten“ heranzubilden (trotz guter Schulbildung), sondern die jungen Menschen auf ihrem manchmal etwas turbulenten Weg zu begleiten, damit sie sich zu selbständigen, verantwortungsbewussten und handlungsfähigen Individuen mit den oben beschriebenen Eigenschaften entwickeln können. Keine leichte Aufgabe, zumal sehr oft die wertvolle Innerlichkeit junger Menschen mit „Zivilisationsschutt“ zugemüllt wird.
Jugendliche auf dem Weg
Im Sinne der Bildung der genannten Eigenschaften, versuchen wir in unserer kleinen Schule, in zauberhafter Umgebung und therapeutischem Klima, diesen schwierigen Aufgaben gerecht zu werden. So gibt es hier, neben einer guten Schulbildung, die verschiedensten Bereiche, in denen die Jugendlichen Erfahrungen sammeln, praktische Fähigkeiten erlernen und sich in der sozialen Gemeinschaft bewähren können. Zu diesen Tätigkeiten gehören: Mithilfe in der Küche, Betreuen der Gäste im Hotel und im Restaurant, Pflege und Beobachtung des Gartens, des Waldes und der Umgebung, sowie das Beheben von Defekten durch Reparaturen usw.. Natürlich kommen auch Spiel, Spass, Tanz oder andere sinnvolle Vergnügen nicht zu kurz.
Sehr wichtig ist dabei, dass die jungen Menschen in ihrem Alltag hier erleben, dass sie eine Aufgabe haben, dass sie gebraucht werden und durch sinnvolle Tätigkeiten einen Beitrag zum Ganzen leisten können. Dies stärkt immer mehr das eigene Selbstbewusstsein und trägt ganz wesentlich zu einer fruchtbaren Selbstfindung bei.
Auch wenn mit diesem Ansatz pädagogisches Neuland betreten wird, so bildet dennoch, oder gerade deshalb, die anthroposophische Menschenkunde Rudolf Steiners den pädagogischen Hintergrund unserer täglichen erzieherischen Arbeit. Dabei liegen unsere Schwerpunkte vor allem darin, absolut offen zu sein für die jungen Menschen. Abzuspüren, was individuell notwendig ist, ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen und eine ausgeglichene Bildung von Kopf, Herz und Hand zu ermöglichen. Als vordringliches Ziel sehen wir jedoch die Stärkung der persönlichen Willenskräfte durch eine rhythmische Tagesgestaltung, und durch Wecken von Begeisterung und Interesse für die Welt!
Was wird den Jugendlichen geboten ?
Wie sieht bei uns eine Krisenintervention oder Förderung von keimenden und wachsenden Zukunftskräften aus?
Das Centre de Formation bietet Gewähr für folgende pädagogische Schwerpunkte: familiäre Atmosphäre in kleiner Gruppe von maximal 12 Schülern, persönliche Betreuung mit individueller Beratung, Fortsetzung der Schulbildung und Schliessen von Bildungslücken, Erlernen der französischen Sprache, interessante Erlebnisse mit schönen und abenteuerlichen Ausflügen in die Pyrenäen, ans Meer, nach Spanien, in die Camargue und vieles andere mehr. Als eine besonders wertvolle Erfahrung wird den Schülern eine Expedition nach Afrika und in die Sahara geboten.
Gerade die Expedition nach Afrika und in die Wüste fordern den ganzen Menschen heraus und in bester Eigenbeobachtung kann jeder erleben, wo er selber steht.
Leider können auch im Centre de Formation keine „Wunder“ bewirkt werden. Dennoch gelingt es meistens, dass Schüler, die an anderen Orten aufgegeben wurden, nach einem Jahr im Centre de Formation zu sich selbst fanden und zielstrebig ihr weiteres Leben in Angriff nehmen konnten. Viele positive Rückmeldungen geben Anlass, an diesem pädagogischen Ansatz festzuhalten und ihn weiter zu entwickeln. Neben den vielen praktischen Möglichkeiten der Selbstfindung, der soliden Charakter- und Schulbildung, ist es in unserer Institution vor allem der rhythmische Tagesablauf, der Kräfte frei macht und den inneren Wesenskern zur Entfaltung bringt. Dies ist deshalb ein grundlegendes Instrument unserer Arbeit.
Während der „Auszeit“ geben die vielseitigen praktischen Arbeiten den Jugendlichen die ideale Möglichkeit, von den eigenen Problemen wegzukommen und sich mit den Realitäten des Alltags auseinander zu setzen. Das praktische Tun vermittelt ihnen Können, Geschicklichkeit und Ausdauer. Damit kann aber auch das Selbstvertrauen in die eigenen Kräfte und Fähigkeiten wachsen, sowie der Wille und der Mut, persönliche Ziele zu erreichen.
Junge Menschen, die willens sind, sich auf eine neue Lebenserfahrung und auf eine Persönlichkeitsentwicklung einzulassen, werden nach einem einjährigen Aufenthalt im schönen Centre de Formation mit ganz neuen Kräften ihre weitere Zukunftsgestaltung in die Hand nehmen können.
Leider sträuben sich anfänglich manche Jugendliche sich auf eine solche fruchtbare Selbstentfaltung einzulassen. Mit Widerwillen und grosser Skepsis kommen sie zu uns und können nach einigen Tagen kaum verstehen, warum sie sich anfänglich so sehr gegen einen Aufenthalt wehrten.
Bedauerlicherweise gibt es auch Jugendliche, die durch Drogen aller Art bereits so stark geschädigt sind, dass wir ihnen im Centre, mit unseren beschränkten therapeutischen Möglichkeiten nicht helfen können. Aus diesem Grunde können nur Schüler/Innen aufgenommen werden, die noch nicht zu stark drogenabhängig sind und ein Mindestmass an Kooperationsbereitschaft mitbringen.
Die öffentliche Hand (Sozialämter, Jugendämter etc.) sind immer weniger bereit, eine Krisenintervention, bzw. eine Prävention zu unterstützen, obwohl eine solche Haltung letztendlich viel höhere Sozialkosten verursacht durch Drogenabhängige, Kriminelle oder andere soziale Verwahrlosungen. Sie haben sich auf eine „Zweiklassengesellschaft“ eingerichtet.
Mangels Unterstützung durch die öffentliche Hand, scheuen sich manche Eltern ihrer Tochter oder ihrem Sohn eine gezielte Hilfe angedeihen zu lassen und so entstehen in der Folge nicht selten dramatische Situationen. Verheissungsvolle Jugendliche, die eine bedeutende Aufgabe für ihre eigene Entwicklung, aber auch für die Gesellschaft hätten, gehen unter bzw. verloren.
Damit dürfen wir uns als soziale Institution nicht abfinden. Deshalb versuchen wir mit unserem Gästebereich (Hotel und Restaurant für Feriengäste) die notwendigen Mittel zu erarbeiten, damit auch Jugendliche aufgenommen werden können, ohne dass die Eltern den vollen Beitrag für Schule und Internat bezahlen müssen.
Um jede Individualität, die uns anvertraut wird, möchten wir kämpfen, selbst wenn wir dadurch seit Jahren auf Erholung und Ferien verzichten müssen.
Insofern verstehen wir uns als echte soziale Institution, die aber trotz intensiven eigenen Bemühungen auch auf Hilfe von Freunden angewiesen ist. Die Möglichkeiten der Hilfen sind sehr vielseitig: Bekanntmachung unserer Internatsschule, Werbung für Feriengäste, Angebot von Lehrern, die unseren Schülern eine interessante Unterrichtsepoche geben möchten, Mitarbeit von tüchtigen Praktikantinnen, die einen sozialen Beruf anstreben und ebenso interessante Erfahrungen machen möchten und nicht zuletzt ist jede finanzielle Unterstützung eine grosse Hilfe. Besonders die finanzielle Unterstützung erlaubt uns, den enormen Forderungen des Staates der Anpassung an europäische Normen Genüge zu leisten. In dieser Beziehung stehen wir unter enormem Druck, welche die seit bald 10 Jahren existierende pädagogische Oase bedroht.
Gregor Scherer
Spendenkonto DE: Freunde der Erziehungskunst Rud. Steiners e.V. 10178 - Berlin
Postbank Stuttgart, Konto:. 39800-704; Bankleitzahl 600 100 70 Vermerk: Centre de Formation, Frankreich
Spendenkonto CH: Förderverein Centre de Formation, PC-Konto: 30 - 525 126 - 2
Weitere Informationen oder Unterlagen:
Centre de Formation, Mas de l’Alzine, F - 66720 Tautavel
Fax/Fon: 0033 4 68 29 16 75
E-Mail:
Internet: www.centre-de-formation.com